Anweiden - warum ist das so wichtig? Wie wird's richtig gemacht?

Aktualisiert: Mai 5

Warum ist das frühjährliche Anweiden so wichtig für die Pferde?

Pferde haben ein ganz besonderes Verdauungssystem. Um die pflanzliche, faserige Nahrung gut verdauen und verwerten zu können, haben sie eine ganz besondere Darmflora.


Während der Magen mit einem Fassungsvermögen von rund 8-15 Litern verhältnismäßig klein ist, hat sein Caecum ein Fassungsvermögen von 30 bis ca. 60 Litern bei einer Länger von rund 1 Meter. Das Caecum ist ein Teil des Dickdarms. Hier findet die Hauptverdauung des Pferdes statt.


Diverse Mikroorganismen (Bakterien und Einzeller) helfen dem Pferd die faserigen Bestandteile aufzuspalten und zu verwerten. Zu dieser Darmflora gehören unter anderem gram-negative Bakterien. Diese kommen gleich ins Spiel.


Im Winter erhalten die Pferde überwiegend getrocknetes Heu. Dieses ist besonders reich an Cellulose. Die Darmflora passt sich an diese Nahrung an. Es entwickelt sich eine cellulolytische Darmflora.


Frisches Gras ist im Gegensatz zum Heu reich an Fructanen. Fructane sind Prebiotika. Prebiotika nähren die Bakterien im Darm und begünstigen ihr Wachstum. Und zwar extensiv. Insbesondere die gram-negativen Bakterien vermehren sich mit Fructan-reicher Nahrung exponentiell. Die Darmflora ändert sich jetzt von einer cellulolytischen, d. h. cellulose-verdauenden, zu einer saccharolytischen Flora = zucker-verdauenden Flora. Und diese Darmflora ist reich an gram-negativen Bakterien.


Diese gram-negativen Bakterien haben einen besonderen Wandbestandteil. Sogenannte LPS-Komplexe - Lipo-Polysaccharid-Komplexe. Sie bestehen aus Fetten und Zucker und bilden große Moleküle.


Mit der plötzlich Fructan-reichen Nahrung nehmen diese gram-negativen Bakterien exponentiell zu. Und im Umkehrschluss sterben auch exponentiell viele gram-negativen Bakterien. Beim Zerfall dieser Bakterien werden diese großen LPS-Komplexe freigesetzt. Und zwar auch exponentiell viel.


Gleichzeitig wird freier Zucker im Darm zu Lactat = Milchsäure. Große Mengen an Milchsäure zerstören die Darmwand. Damit öffnet sich die Darmwand, und die großen LPS-Komplexe gelangen in die Blutbahn.


Die zerstörte Darmwand kann Nährstoffe und Wasser nicht mehr ordentlich resorbieren, was zu Kotwasser und Durchfall führt.


Jetzt befinden sich sehr viele LPS-Komplexe im Blut. Das Immunsystem erkennt sofort, dass die hier nicht hingehören. Und weil diese LPS-Komplexe groß sind, will das Immunsystem auf Nummer sicher gehen, und den vermeintlichen Feind umgehend still legen. Das tut es indem es Antikörper und sogenannte Complementfaktoren drauf setzt. Hier werden also die Krieger und die Bodyguards gleichzeitig gerufen, die sich auf den Feind stürzen und ihn in Schach halten. Jetzt sind das sogenannte Immunkomplexe.


Soweit so gut. Der Feind ist unschädlich gemacht. ABER, die Immunkomplexe sind noch größer. Denn auf den LPS-Komplexen sitzen jetzt auch noch die Antikörper und die Complementfaktoren.


Und das ist das Problem. Diese riesigen Gebilde wandern jetzt durch die Blutbahn. Die Schwerkraft bringt es mit sich, dass sie in den feinen Kapillargefäßen im Huf landen. Hier bleiben die riesigen Immunkomplexe in den Engen der feinen Gefäßchen hängen. Nach und nach bleiben immer mehr hängen und verstopfen die Gefäße. Die Blutversorgung wird unterbrochen und der Huf wird nicht mehr ordentlich versorgt. Es kommt zur Hufrehe.


Wie wenn das nicht schlimm genug ist, verstopfen diese Immunkomplexe auch die feinen Kapillargefäße der Niere: akutes Nierenversagen droht.


Bekommt das Pferd jetzt erstmal nur wenig Gras, und wird die Menge in kleinen Schritten gesteigert, wächst auch die Zahl der gram-negativen Bakterien langsam, und der Organismus kommt mit den geringeren sterbenden Bakterien gut zurecht. Die Darmflora passt sich langsam dem neuen Futter an.

Und wie wird's richtig gemacht?


  1. Das Pferd sollte vor dem Anweiden gut Heu bekommen haben, wenn es nicht schon Heu-satt bekommt

  2. Die ersten 2-3 Tage 10-15 Minuten Gras fressen lassen.

  3. Dann täglich um 5-15 Minuten steigern über einen Zeitraum von 6-8 Wochen.

  4. Zeigt das Pferd Kotwasser oder weichen Kotabsatz, einen Tag pausieren, dann wie am Tag zuvor weiter machen.

  5. Bei nächtlichem Frost am Folgetag mit dem Anweiden aussetzten, denn jetzt ist das Gras besonders reich an Fructanen.

  6. Der Darm kann in der Anweidezeit zusätzlich mit der Gabe von ausgewählten Kräutern unterstützt und gestärkt werden. Ein naturheilkundlich versierter Therapeut wird dir für dein Pferd eine individuelle und bedarfsgerechte Empfehlung an Kräutern zusammenstellen.

  7. 1-3 Sitzungen Bioresonanz unterstützen den Darm wie auch die Entgiftungsorgane und erleichtern deinem Pferd die Nahrungsumstellung in der Anweidezeit.


Bedenke bitte auch: Frühling ist die Zeit für Blüte, Wachstum, Dynamik und Bewegung. Der Stoffwechsel steigt, die Pferde werden aktiver, "frischer" und benötigen jetzt auch mehr Arbeit und Beschäftigung. Bewege dein Pferd ausreichend. Das ist wichtig für den Geist und unterstützt auch das Verdauungssystem, nicht nur in der Anweidezeit.


Tierisch herzliche Grüße, eure Sandra

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Sandra Brandt

Tierheilpraktikerin

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